Die Geschichte von Nordkapp begann mit Neugier. Ich kam mit einigen deutschen Touristen ins Gespräch, die wissen wollten, wie die Menschen in Honningsvåg ihren Lebensunterhalt verdienten. Damals lebte und arbeitete ich noch in dem Ort. Von da an sah ich die Gegend mit anderen Augen. Ich begann, über die Vergangenheit nachzudenken.
Wir, die wir in der Nachkriegszeit aufgewachsen sind, erinnern uns an den regen Schiffsverkehr auf dem Fjord. Was war geschehen? Warum war es so still geworden? Die ausländischen Trawler, von denen es das ganze Jahr über so viele gegeben hatte, waren verschwunden – über Nacht. Es gab keine Holzfrachter mehr, die nach oder von Russland fuhren. Die vielen Tanklager waren leergeräumt. Von den einst so vielen Tanklagern war nur noch eines übrig. Die anderen waren abgerissen worden.
Eines Tages sah ich, wie das große Finotro-Werk abgerissen wurde. Neue Fragen tauchten auf. Warum war die Geschäftswelt im Fischerdorf und Hafen von Honningsvåg so drastisch zurückgegangen? Warum waren all die Fischzuchtbetriebe verschwunden? Kein Rauch stieg mehr von den Heringsöl- und Heringsmehlfabriken auf. Beide waren endgültig geschlossen worden. Damals war eine teilweise zerstört, die andere vollständig abgerissen worden. Und nun, im Jahr 2023, ist auch die letzte verschwunden. Im Juni waren nur noch die Ruinen von Sifi, einer Industrieanlage aus der frühen Nachkriegszeit, übrig.
Hier sehen wir die Honningsvåg-Schule, das erste Schulgebäude von 1896, und den dahinterliegenden Neubau von 1929. Sie standen direkt neben der Kirche. Dieses Foto entstand nach 1939, als das Fischerheim der Indre Sjømannsmisjon direkt unter den Schulgebäuden errichtet wurde.
Doch das ist noch nicht alles. Wie haben sich Honningsvåg und die umliegende Gemeinde von der Antike bis zum Brand entwickelt? Wie war es während des Krieges und der Evakuierung? Und wie verlief die Evakuierung selbst, von der so viele von uns gehört haben, die die meisten aber kaum selbst miterlebt haben? Die Ursachen der Brände und der Evakuierung im Jahr 1944 sowie deren Zusammenhang mit den Ereignissen in Ostfinnmark und Nordtroms sind bis heute weitgehend ungeklärt.
Es ist jedoch möglich, einige Informationen zu gewinnen. So existiert beispielsweise Literatur. Seit über dreißig Jahren sind wichtige Bücher über Finnmark erschienen, darunter Øystein Bottolfsens „Finnmark County History 1840–1990“, Einar Richter Hansens „North Cape. A fishing municipal from the earliest times to the present“, Randi Rønning Balsviks „Vardø. Border post and fishing village“ und Reidar Hirstis Anthologie „Finnmark“. Wir verfügen außerdem über die Filmreihe „Norwegen zwischen Ost und West“ von Knut Erik Jensen und nicht zuletzt über die Jahrbücher von Geschichtsvereinen, wie beispielsweise dasjenige, das das Nordkap-Museum seit 1982 in Zusammenarbeit mit der Nordkap-Geschichtsgesellschaft herausgibt. Hinzu kommt die Nationalbibliothek mit ihren historischen Zeitungen, Büchern und Bildern.
Dies bildet die Grundlage für die Erforschung der Gemeinde Nordkap, die 1861 mit nur 300 Einwohnern gegründet und am 8. Juli 1949 in Nordkap umbenannt wurde, sowie der Provinz Finnmark, die ihren heutigen Namen 1919 erhielt. Dieses dünn besiedelte Gebiet war Teil Norwegens geworden, eine eigenständige Provinz, über die so viele von uns so lange so wenig wussten.
Lokalgeschichte ist Kommunikation und Dokumentation. Sie trägt zur Bewahrung unseres kulturellen Erbes bei. Diese Erkenntnisse ermöglichen es uns, besser darüber nachzudenken, wer wir sind und wohin wir gehen. Das Wissen um die Vergangenheit ist ein wichtiger Bestandteil unserer kulturellen Entwicklung und Identitätsbildung und von Bedeutung für den Einzelnen, die lokale Gemeinschaft und die norwegische nationale Identität. Gleichzeitig trägt die Kenntnis der Lokalgeschichte zum Zugehörigkeitsgefühl zur lokalen Gemeinschaft bei, was wiederum die Identitätsbildung fördert. Sidsel Hindal schreibt: „Eine ihrer wichtigsten Funktionen ist die Identitätsbildung, neben der Dokumentation und ihrem Beitrag zur Demokratie.“
Daher gibt es gewichtige Gründe, die den Beginn dieser lokalgeschichtlichen Forschung rechtfertigen. Die meisten der hier präsentierten Informationen stammen aus der bestehenden Literatur und wurden zusammengetragen, um wichtiges historisches Wissen schriftlich festzuhalten und es allen zugänglich zu machen, die die Vergangenheit ihrer Region erforschen.
Diese Website wurde 2016 erstellt. Sie ist keine wissenschaftliche Arbeit, da sie keine Frage von besonderem persönlichem Interesse behandelt, die ich im Rahmen einer Veröffentlichung zu Forschungszwecken beantworten möchte. Das Hauptziel ist es, etwas zu entdecken, darüber zu lernen, es zu veröffentlichen und es dann einem breiten Publikum zugänglich zu machen, damit auch Studierende davon profitieren können.
Es heißt auch: „Ohne einen Geschichtenerzähler stirbt die Vergangenheit“ und „Wissen verändert alles“. Beides liefert eine Begründung für das hier Dargestellte.